Berliner Schulabgänger sind zu krank und zu unsportlich für die Polizei

Immer weniger Jugendliche, die das Berliner Schulsystem durchlaufen haben, sind als Bewerber für die Polizei geeignet. Manche versuchen dann, zu tricksen.

Bei den Wunschberufen für Jugendliche steht Polizist an oberster Stelle. Nur sind viele zu schlecht in der Schule, zu krank oder nicht fit genug. Deshalb hat die Berliner Polizei Probleme, Nachwuchs zu finden.

Im Jahr 2022 war im mittleren Dienst die Einstellung von 624 und im gehobenen Dienst von 600 Nachwuchskräften vorgesehen. Tatsächlich wurden im mittleren Dienst an der Polizeiakademie in Ruhleben nur 593 und im gehobenen Dienst an der Hochschule für Wirtschaft und Recht nur 545 Nachwuchskräfte eingestellt. Diese Zahlen nannte die Polizei auf Anfrage der Berliner Zeitung.

„Es standen nicht mehr Bewerbende zur Verfügung, die die Anforderungen erfüllt haben“, begründet Polizeisprecher Martin Dams.

So wie das Handwerk, die Industrie und die Dienstleistungsbranche stellt auch die Polizei fest, dass immer weniger junge Menschen, die das Berliner Schulsystem durchliefen, geeignet sind. Als Faustregel gilt: Man braucht zehn Bewerber für eine Stelle. Doch so, wie Handwerksmeister über schlechte Mathematik-Kenntnisse bei Bewerbern klagen, so reicht es bei vielen Schulabgängern auch für die Polizei nicht.

Kanister tragen und Wandklettern

Wer Beamter auf Lebenszeit werden will, den hätte die Behörde gern bis über das 60. Lebensjahr hinaus – deshalb die polizeiärztliche Untersuchung zu Beginn. Dort werden viele als ungeeignet beschieden, etwa wegen Bandscheibenvorfalls, Bluthochdruck oder weil sie sich bei ihren vielen Computerspielen die Augen ruiniert haben. Einige scheiden auch nach dem Drogen-Screening aus.

Dann wäre da noch der Sporttest. Er besteht aus einem Hindernis-Parcours unter anderem mit Laufen und dem Tragen zehn Kilo schwerer Kanister und dem Überwinden einer Eskaladierwand. Viele Bewerber schaffen die Strecke nicht in der vorgegebenen Zeit.

Andere wiederum scheitern an der Leumundsprüfung, etwa weil sie vorbestraft sind. Auch die Ausbildung selbst schaffen viele nicht. Von den 331 Studenten des gehobenen Dienstes an der HWR – 238 für die Schutzpolizei und 93 für die Kripo – schafften im vergangenen September lediglich 270 den erfolgreichen Studienabschluss.

Rechtschreibung und Interpunktion lassen zu wünschen übrig

Die Ausbildung an der Polizeiakademie für den mittleren Dienst ist ebenfalls kein Spaziergang. Den Lehrgang, der im Herbst 2019 mit 312 Auszubildenden begann, schlossen im Frühjahr vergangenen Jahres 193 Anwärter ab. Einige waren in den gehobenen Dienst gewechselt, andere hatten von sich aus aufgegeben und gekündigt.

Viele Schüler scheitern an den Tests, zum Beispiel in den Fächern Deutsch und Sport, wozu Schwimmen und Retten gehört. Mitunter wird deshalb versucht, zu tricksen. So wurde eine Polizeianwärterin rausgeworfen, die im Jahr 2021 versucht hatte, bei der Sportprüfung zu schummeln. Aus Angst, die Prüfung nicht zu schaffen, hatte sie eine Freundin für sich antreten lassen. Möglich machte dies die wegen Corona geltende Maskenpflicht im Eingangsbereich, weshalb auch fremde Personen auf das Gelände der Polizeischule in Spandau gelangen konnten.

Aber auch an der HWR stehen mitunter Dozenten die Haare zu berge, wenn sie in den Klausuren die Rechtschreibung und Interpunktion sehen. Hoch sei auch die Durchfallquote im Fach Polizei- und Ordnungsrecht, heißt es. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, laufen in Ruhleben und an der HWR die Bewerbungsverfahren. Derzeit läuft das Bewerbungsverfahren für Herbst.

Source : Berliner Zeitung

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