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AEG-Turbinenhalle Berlin-Moabit Juli 2013_016


Image by marlon_75
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befindet sich die Welt im Aufbruch. Der junge Energieträger Strom wird zum Hoffnungsträger der Technik. Als „Elektropolis“ wird Berlin zum Impulsgeber für die Nutzung von Strom. In Kunst und Architektur wird der aufgesetzte Schnörkel von der Moderne verworfen. Dabei kommt es nicht allein auf den Inhalt an: Auch „ein Motor muss aussehen wie ein Geburtstagsgeschenk“, erkennt der AEG-Direktor Paul Jordan und lässt den Architekten Peter Behrens ein Design für sein Unternehmen entwickeln.

Die 1909 vollendete Turbinenhalle der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) in Berlin-Moabit ist Symbol dieses Wandels.

Damals erlebte die Elektrizitätswirtschaft einen Umbruch. So fusionierten in Berlin die AEG und die Union Elektricitäts-Gesellschaft. Damit bekam die AEG Zugriff auf die Fabrik in Moabit und Patente des amerikanischen Konkurrenten General Electric (GE) für Dampfturbinen. In der Folge teilten GE und AEG den Weltmarkt unter sich auf, und die AEG gründete 1904 ihre Turbinenfabrik an der Huttenstraße in Moabit. Mit dem neuen Produkt und der neuen Fabrik setzte sie Maßstäbe im Konkurrenzkampf. Denn Turbinen waren für die Stromerzeugung viel effektiver als die üblichen Dampfmaschinen.

Einen besonderen Eindruck hinterließ die 1909 in Moabit erbaute Montagehalle für Turbinen. Die damals größte Halle Berlins wurde ohne Zierrat ausschließlich mit den „modernen“ Materialien Eisen, Glas und Beton gebaut. Die großen Glasflächen schufen eine im Industriebau neue Transparenz. Das Berliner Baugeschäft Czarnikow & Co. und die Dortmunder Union Stahlbau hatten die Halle in nur sieben Monaten errichtet. Dieser übersichtliche Arbeitsraum ist 125 Meter lang, etwa 25 Meter hoch und ebenso breit.

Für das Tragwerk war der Bauingenieur Karl Bernhard verantwortlich. Mit ihm gestaltete Peter Behrens die Architektur. Der Autodidakt Behrens entwickelte als Erster für ein Unternehmen ein geschlossenes Erscheinungsbild: Die Bauten, Produkte und Schriftzüge der AEG sollten fortan moderne Dynamik ausstrahlen. Behrens wurde gefeiert, weil er sich als Architekt im Industriebau durchsetzen konnte.

Vollwandige Gelenkbinder verzahnen sich mit dem mächtigen Betonsockel, ihre Kompaktheit wird durch die 14,40 Meter hohen Glaswände unterstrichen. Sie sind geneigt, damit die Arbeiter innen wenig geblendet werden. Die wiederholende Reihung ist Sinnbild maschineller Produktion. Der Seitentrakt zum Hof verzichtet sogar auf jegliches Pathos. Nur ein waagerechtes Eisenband betont hier die Aufteilung in zwei Geschosse.

Der zurückgesetzte Hoftrakt und die Fassade an der Berlichingenstraße heben die wuchtige Front an der Huttenstraße hervor: Mit ihrem polygonal gebrochenen Giebel, ihren bündig abschließenden großen Fenstern und den abgerundeten Eckpfeilern wirkt sie konstruktiv und repräsentativ zugleich. So scheinen die Fenster und die Eckpfeiler aus Beton einen mächtigen Giebel zu tragen. Die „Pfeiler“ wirken wegen der horizontalen Bänder und der Oberflächen wie Naturstein, sind aber tatsächlich nur Verkleidung: eine dünne Betonhaut vor einer Eisenkonstruktion. Bernhard empfand die Giebelfront deshalb als konstruktiv unehrlich, die Seitenfront an der Berlichingenstraße jedoch als „echtes und unantastbares Kunstwerk des Eisenbaus“. Die meisten Zeitgenossen aber waren begeistert von dem „Maschinendom“, in dem sich „die heitere Göttin Kunst“ neben das „graue Gespenst“ der Arbeit gesetzt hatte.

Der materialgerechte Umgang war bei dem Bau begrenzt. So sind die Binder wesentlich stärker ausgebildet als rechnerisch notwendig. Damit wollte Behrens der Halle ästhetisch eine gewisse Stabilität verleihen. Sie war so auch ein Symbol der festgegründeten Macht der Großindustrie, die mit dem wilhelminischen Imperialismus eng verflochten war. Dieser autoritäre Ausdruck wird im Vergleich zu den klassisch modernen Bauten der Fagus-Werke in Alfeld besonders deutlich. Sie waren von Walter Gropius, der zuvor bei Behrens an der Turbinenhalle mitgearbeitet hatte, bis 1914 verwirklicht worden.

Die 1912 von Behrens und Bernhard gebaute Großmaschinenhalle im AEG-Werk Berlin-Wedding vermeidet diese Diskussion: Es ist ein modernes, sparsam gegliedertes Bauwerk mit großflächigen Backsteinfassaden. Außerdem ist das Hallentragwerk sinnvoller. Sie hat Rahmenbinder ohne Gelenke mit kräftigen Stützen – ebenso wie die Hallen der AEG-Transformatorenfabrik von 1916 in Berlin-Oberschöneweide oder die Großmaschinenhalle der AEG-Union in Wien-Stadlau von 1921.

Das alte Tragwerk funktioniert aber bis heute. 1939 bis 1941 wurde es um eine zurückhaltende Rahmenkonstruktion verlängert. 1969 kam eine architektonisch belanglose Kiste dazu. Damals hatten AEG und Siemens ihr Kraftwerksgeschäft zusammengelegt und konzentrierten die Dampfturbinen-Produktion in Mülheim. In Berlin wurden seit 1972 Gasturbinen gebaut, heute unter der Regie der Siemens Fossil Power Generation. Mit den modernen Materialien ohne Dekoration, den sorgfältig abgestimmten Proportionen und der Transparenz markiert dieses Schlüsselwerk moderner Industriearchitektur indes einen Paradigmenwechsel. Als Säule einer Denkmallandschaft „Elektropolis“ wollen die deutschen Industriedenkmalpfleger die AEG-Turbinenhalle deshalb auf die Vorschlagsliste des Unesco-Weltkulturerbes setzen.

AEG-Turbinenhalle Berlin-Moabit Juli 2013_021


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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befindet sich die Welt im Aufbruch. Der junge Energieträger Strom wird zum Hoffnungsträger der Technik. Als „Elektropolis“ wird Berlin zum Impulsgeber für die Nutzung von Strom. In Kunst und Architektur wird der aufgesetzte Schnörkel von der Moderne verworfen. Dabei kommt es nicht allein auf den Inhalt an: Auch „ein Motor muss aussehen wie ein Geburtstagsgeschenk“, erkennt der AEG-Direktor Paul Jordan und lässt den Architekten Peter Behrens ein Design für sein Unternehmen entwickeln.

Die 1909 vollendete Turbinenhalle der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) in Berlin-Moabit ist Symbol dieses Wandels.

Damals erlebte die Elektrizitätswirtschaft einen Umbruch. So fusionierten in Berlin die AEG und die Union Elektricitäts-Gesellschaft. Damit bekam die AEG Zugriff auf die Fabrik in Moabit und Patente des amerikanischen Konkurrenten General Electric (GE) für Dampfturbinen. In der Folge teilten GE und AEG den Weltmarkt unter sich auf, und die AEG gründete 1904 ihre Turbinenfabrik an der Huttenstraße in Moabit. Mit dem neuen Produkt und der neuen Fabrik setzte sie Maßstäbe im Konkurrenzkampf. Denn Turbinen waren für die Stromerzeugung viel effektiver als die üblichen Dampfmaschinen.

Einen besonderen Eindruck hinterließ die 1909 in Moabit erbaute Montagehalle für Turbinen. Die damals größte Halle Berlins wurde ohne Zierrat ausschließlich mit den „modernen“ Materialien Eisen, Glas und Beton gebaut. Die großen Glasflächen schufen eine im Industriebau neue Transparenz. Das Berliner Baugeschäft Czarnikow & Co. und die Dortmunder Union Stahlbau hatten die Halle in nur sieben Monaten errichtet. Dieser übersichtliche Arbeitsraum ist 125 Meter lang, etwa 25 Meter hoch und ebenso breit.

Für das Tragwerk war der Bauingenieur Karl Bernhard verantwortlich. Mit ihm gestaltete Peter Behrens die Architektur. Der Autodidakt Behrens entwickelte als Erster für ein Unternehmen ein geschlossenes Erscheinungsbild: Die Bauten, Produkte und Schriftzüge der AEG sollten fortan moderne Dynamik ausstrahlen. Behrens wurde gefeiert, weil er sich als Architekt im Industriebau durchsetzen konnte.

Vollwandige Gelenkbinder verzahnen sich mit dem mächtigen Betonsockel, ihre Kompaktheit wird durch die 14,40 Meter hohen Glaswände unterstrichen. Sie sind geneigt, damit die Arbeiter innen wenig geblendet werden. Die wiederholende Reihung ist Sinnbild maschineller Produktion. Der Seitentrakt zum Hof verzichtet sogar auf jegliches Pathos. Nur ein waagerechtes Eisenband betont hier die Aufteilung in zwei Geschosse.

Der zurückgesetzte Hoftrakt und die Fassade an der Berlichingenstraße heben die wuchtige Front an der Huttenstraße hervor: Mit ihrem polygonal gebrochenen Giebel, ihren bündig abschließenden großen Fenstern und den abgerundeten Eckpfeilern wirkt sie konstruktiv und repräsentativ zugleich. So scheinen die Fenster und die Eckpfeiler aus Beton einen mächtigen Giebel zu tragen. Die „Pfeiler“ wirken wegen der horizontalen Bänder und der Oberflächen wie Naturstein, sind aber tatsächlich nur Verkleidung: eine dünne Betonhaut vor einer Eisenkonstruktion. Bernhard empfand die Giebelfront deshalb als konstruktiv unehrlich, die Seitenfront an der Berlichingenstraße jedoch als „echtes und unantastbares Kunstwerk des Eisenbaus“. Die meisten Zeitgenossen aber waren begeistert von dem „Maschinendom“, in dem sich „die heitere Göttin Kunst“ neben das „graue Gespenst“ der Arbeit gesetzt hatte.

Der materialgerechte Umgang war bei dem Bau begrenzt. So sind die Binder wesentlich stärker ausgebildet als rechnerisch notwendig. Damit wollte Behrens der Halle ästhetisch eine gewisse Stabilität verleihen. Sie war so auch ein Symbol der festgegründeten Macht der Großindustrie, die mit dem wilhelminischen Imperialismus eng verflochten war. Dieser autoritäre Ausdruck wird im Vergleich zu den klassisch modernen Bauten der Fagus-Werke in Alfeld besonders deutlich. Sie waren von Walter Gropius, der zuvor bei Behrens an der Turbinenhalle mitgearbeitet hatte, bis 1914 verwirklicht worden.

Die 1912 von Behrens und Bernhard gebaute Großmaschinenhalle im AEG-Werk Berlin-Wedding vermeidet diese Diskussion: Es ist ein modernes, sparsam gegliedertes Bauwerk mit großflächigen Backsteinfassaden. Außerdem ist das Hallentragwerk sinnvoller. Sie hat Rahmenbinder ohne Gelenke mit kräftigen Stützen – ebenso wie die Hallen der AEG-Transformatorenfabrik von 1916 in Berlin-Oberschöneweide oder die Großmaschinenhalle der AEG-Union in Wien-Stadlau von 1921.

Das alte Tragwerk funktioniert aber bis heute. 1939 bis 1941 wurde es um eine zurückhaltende Rahmenkonstruktion verlängert. 1969 kam eine architektonisch belanglose Kiste dazu. Damals hatten AEG und Siemens ihr Kraftwerksgeschäft zusammengelegt und konzentrierten die Dampfturbinen-Produktion in Mülheim. In Berlin wurden seit 1972 Gasturbinen gebaut, heute unter der Regie der Siemens Fossil Power Generation. Mit den modernen Materialien ohne Dekoration, den sorgfältig abgestimmten Proportionen und der Transparenz markiert dieses Schlüsselwerk moderner Industriearchitektur indes einen Paradigmenwechsel. Als Säule einer Denkmallandschaft „Elektropolis“ wollen die deutschen Industriedenkmalpfleger die AEG-Turbinenhalle deshalb auf die Vorschlagsliste des Unesco-Weltkulturerbes setzen.

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Berlin/Oberschöneweide